Gringa Adventure Tours

Wenn meine Freunde mich fragen, wie es denn bei mir so läuft und wie es mir geht, bleibe ich erstmal kurz ratlos zurück. “Erzähl mal ein paar Anekdoten!”, ja ähm, ich würde ja irgendwie gern, aber ich erlebe hier so viel verrücktes Zeug, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich habe meine Reise dem Titel der Gringa Adventure Tours unterstellt. Gringa ist die Bezeichnung für eine Ausländerin, die zumeist mit einer europäisch-blonden Touristin wie mir assoziiert wird, wobei dieser Terminus relativ neutral konnotiert ist. Ich benutze ihn gern, denn mir als blond-grünblauäugige-1,70m-große dünnbeinige Europäerin passieren hier nunmal … Weiter lesen Gringa Adventure Tours

“You don’t know how it feels”

Ich belege einen Kurs über Rassismus in den Vereinigten Staaten. Eigentlich habe ich Theorien über Fremdheit, Migration und Othering-Konzepte bereits im Grundstudium gelernt, doch ich hatte das Bedürfnis, diese Thematik hier erneut aufzugreifen. Ich wollte wissen, wie diese Themen in einem Land verhandelt werden, das zum einen aus Einwanderern und Vielfalt besteht, zum anderen auf Landnahme und Ausbeutung fußt und das im November eventuell Donald Trump wählen wird. In der ersten Sitzung hatten wir Ta-Nehisi Coates‘ „Between the World and Me“ gelesen; einen Brief an seinen Sohn, in dem er all seine Gedanken über seine Identität, seine Herkunft, seinen Frust … Weiter lesen “You don’t know how it feels”

Das Chaosprotokoll oder auch: stuck in Frankfurt die Zweite

Es ist fünf Uhr nachts deutscher Zeit und ich sitze auf meinem Hostelbett in Buenos Aires. Dass ich hier noch einmal ankommen würde, habe ich gestern allerdings noch stark bezweifelt… Aber von vorne. Vor der Abreise habe ich Asyl bei den Tauchterts erhalten, was der Aufregung vor der großen Reise unheimlich guttat. Dadurch, dass ich meinen Koffer bis dahin bereits fertig packen musste, kam ich relativ entspannt bei Mareikes Eltern im idyllischen Hessen an und wir verbrachten den letzten Abend vor sowie den Tag bis zum Abflug am Dienstagabend gemeinsam. So weit, so gut. Papa Tauchert setzte uns dann am … Weiter lesen Das Chaosprotokoll oder auch: stuck in Frankfurt die Zweite

Ich bin ein Prothesengott

Im ersten Mastersemester hatten wir begleitend zur Vorlesung ein Tutorium. Jede Woche standen andere Texte auf dem Programm und als Einstieg hat jeweils einer von uns Studenten einen „Wichtel“ mitgebracht. Dabei handelt es sich lediglich um etwas, das wir mit dem zu besprechenden Text in Verbindung gebracht haben und zur Veranschaulichung den anderen vorstellten. Dabei kamen die verschiedensten Wichtel zustande: über Instagram-Bilder zu Kreuzketten war alles Mögliche dabei. Mein Wichtel war ein Navi. Warum ein Navi? Weil Freud davon gesprochen hat, dass der Mensch ein Prothesengott ist. „Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht großartig, wenn er alle … Weiter lesen Ich bin ein Prothesengott